Prüfungsangst: Körper unter Hochspannung

Prüfungsangst: Körper unter Hochspannung

Familie & Soziales | 18. Februar 2019

Zittrige Knie, schweißnasse Hände, brüchige Stimme: Viele Menschen kennen diese und ähnliche Symptome, ob vor einer Prüfung, einem Bewerbungsgespräch oder einer Präsentation. Die Rede ist von Lampenfieber. Was genau ist die Ursache für die große Aufregung? Vermutlich ist es die Angst, vor anderen zu scheitern, die unseren Puls schneller und unser Herz höher schlagen lässt und im schlimmsten (aber auch seltensten) Fall zum gefürchteten Blackout führt: Nichts geht mehr, wir haben das Gefühl, die Kontrolle über die Situation und den eigenen Körper zu verlieren. Mit dieser Erfahrung im Gepäck kann es passieren, dass sich unsere Angst von Mal zu Mal steigert und wir uns schließlich in einer Spirale aus Angst und Stress wiederfinden. Nervosität ist eine weit verbreitete menschliche Empfindung. Was das Gefühl der Angst verstärkt und Lampenfieber erst zu einem Problem werden lässt, ist oft der Versuch, körperliche Anzeichen wie etwa Erröten oder zitternde Hände zu unterdrücken oder zu verbergen. Da dies meistens nicht in unserer Macht steht, entsteht ein Leidensdruck, der unsere Selbstsicherheit angreift und uns vielleicht sogar völlig aus dem Konzept bringt. Wenn wir dann beginnen, bestimmte Situationen zu vermeiden, weil sie uns an unangenehme Erfahrungen erinnern, geraten wir unter Umständen in die soziale Isolation, entwickeln Panikattacken oder Depressionen. Lassen wir uns im beruflichen Alltag von der Angst zu sehr beeinflussen, etwa weil wir keine Präsentationen mehr halten möchten oder es uns zu sehr belastet, mit Kunden zu kommunizieren, kann Lampenfieber sogar existenzbedrohend werden.


Angst vor der Angst


Dabei hat die Aufregung vor wichtigen Auftritten durchaus positive Aspekte, wie eine Forschergruppe um den Psychologie-Professor Jeremy Jamieson an der Universität Rochester im US-Bundesstaat New York in einer Studie herausfand: Diese Empfindungen bedeuten den Studienautoren zufolge lediglich, dass unser Körper sich bereit macht, so gut wie möglich mit der herausfordernden Situation umzugehen. Sie gehen davon aus, dass uns die mitunter heftigen körperlichen Reaktionen helfen, konzentriert und leistungsfähig zu sein, etwa indem mehr Blut in bestimmte Muskelgruppen gepumpt und das Gehirn mit mehr Sauerstoff versorgt wird.

Eigentlich ist Lampenfieber also eine wirklich nützliche Einrichtung der Natur. Erst, wenn wir aufregende Situationen negativ aufladen, empfinden wir Nervosität als potenziell bedrohlich. Die Ansätze, um dem Gedankenkarussell der Prüfungsangst entgegenzuwirken, sind zahlreich: Hypnose, Reframing, WingWave, Atemtechniken, Konfrontationstherapie, Brainspotting, Bachblütentherapie, mentales Training usw. Welcher Ansatz im konkreten Fall geeignet ist, lässt sich am besten durch mutiges Ausprobieren herausfinden, denn die Auswirkungen der Prüfungsangst oder des Lampenfiebers sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich.